REACH

Bitterkeit, Enttäuschungen, Ärger und sonstige negative Gefühle wirken sich nachweislich negativ auf das Fortbestehen der mitmenschlichen Bezüge und das Wohlbefinden aus. Bei dieser Intervention geht es darum, sich von unangenehmen Erinnerungen im Umgang mit Mitmenschen zu befreien. Es geht um Verzeihen und Vergeben. Beide Begriffe sind nicht identisch: Beim Vergeben wird nicht die Tat entschuldigt, sondern es kommt lediglich zu einem bewussten Beenden eines Schuldvorwurfs, d.h., man erlässt ganz freiwillig und wohlüberlegt der Person, die Unrecht getan hat, ihr schuldhaftes Verhalten, das jedoch nach wie vor Unrecht bleibt. Beim Verzeihen wird dagegen die Person, die Unrecht getan hat, miteinbezogen und auch die Tat verziehen. Verzeihen hat somit eine geringere Sinntiefe.

Der Prozess des Vergebens verläuft in mehreren Schritten. Worthington (2001) hat dafür die einprägsame englische Kurzformel „REACH“ geprägt, was soviel heißt wie „die Hand ausstrecken“:

R steht für recall, Wiedererinnern aller emotionalen Verletzungen
E steht für empathy, einfühlender Perspektivenwechsel; Betrachtung aus Tätersicht
A steht für altruism, altruistisches Geschenk des Vergebens
C steht für commit, sich festlegen auf eine neue Haltung zum Geschehen
H steht für hold on forgiveness, für das Festhalten an dem Entschluss zu vergeben

TeilnehmerInnen werden analog zu dem eben geschilderten Prozess auch dazu angeleitet, sich selbst zu vergeben und zu verzeihen, sich von belastenden Selbstvorwürfen zu befreien. 

Verzeihen und vergeben zu können und die damit verbundenen inneren Distanzierungsprozesse sind für das Wohlbefinden enorm wichtig, das zeigen die praktischen Erfahrungen und bestätigen die Ergebnisse empirischer Metastudien. Menschen, die anderen und sich selbst vergeben können, sind lebenszufriedener und haben eine bessere Selbstachtung.